"Debatte um Bonner Festspielhaus"

Hilton-Hotel weg, neues Festspielhaus hin: Aus der Sicht eines Zuhörers war es ganz einfach, den gordischen Knoten zu zerschlagen, zu dem sich die Diskussion um den Musentempel zu Ehren Beethovens zusammengezogen hat. Der "Diamant": Mit diesem Entwurf hatte sich Stararchitektin Zaha Hadid am Wettbewerb für ein neues Festspielhaus in Bonn beteiligt und - neben der "Welle" vom Büro Hermann & Valentiny - einen Sieg eingefahren. Auf große Zustimmung stieß er damit im Uniclub allerdings nicht. Dort hatte der Verein "Fest.Spiel.Haus.Freunde" zu einer weiteren Veranstaltung der Reihe "Im Fokus: Festspielhaus" geladen. Zu Gast waren mit Thomas Vietzke und Jens Borstelmann die Projekt-Architekten, die im Büro von Stararchitektin Zaha Hadid für den Festspielhaus-Entwurf "Diamant" zuständig sind. Der "Diamant" ist zusammen mit dem "Welle"-Entwurf vom Büro Hermann&Valentiny als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangen. Ob überhaupt einer davon realisiert wird, hängt allerdings von einer Bürgerbefragung ab.

Vietzke und Borstelmann stellten zunächst die Philosophie vor, die die öffentlichen Bauten von Zaha Hadid prägt. Sie umschrieben es als "Intensivierung des öffentlichen Raumes". Vietzke konkretisierte das mit dem Begriff "Durchwebung". Die Bauten werden also nicht hingestellt, sondern in die Stadtebene wie in eine Textur hineingewoben. Gerne lässt Hadid die Bauten anheben, um die Nutzer oder Besucher in die Erdgeschossebene gewissermaßen einzuladen. Vietzke nannte das "Aktivierung" oder "Einladung zur Interaktion".

Als Demonstrationsobjekte dienten verschiedene Hadid-Bauten, etwa in Wolfsburg (das Science-Center), in Leipzig (das Zentralgebäude von BMW), in Rom (Museum für moderne Kunst) oder im chinesischen Guangzhou (die vor kurzem eröffnete Oper mit 1 800 Plätzen). Was für letztere gilt, nämlich "transparente Fassaden, dynamische Fluchten", kurz ein "attraktives Raumerlebnis", zeichnet auch den Diamant-Entwurf aus. Dazu tragen nicht zuletzt die vielen Lichtöffnungen bei, die im großen Saal für ein Spiel aus Tageslicht sorgen, in der Nacht den Bau dagegen geheimnisvoll funkeln lassen.

Der Entwurf sei, so die beiden Architekten, mittlerweile mehrfach überarbeitet und dabei immer wieder "optimiert" worden, zum einen mit Blick auf eine "Bandbreite von Events" (einschließlich Rockkonzerte), zum anderen mit Blick auf die Akustik: "Alles, was sich berechnen lässt, haben wir berechnet." Man habe jetzt eine "Planungstiefe" erreicht, die man sonst "erst nach einer Beauftragung erzielt". Zwinge die zu einem anderen Standort als den der Beethovenhalle, sei man darauf eingestellt: "Wir verfolgen die Diskussion". Unabdingbar sei allerdings ein Standort am Ufer. In Frage kämen demnach der Alte Zoll oder die Rheinaue (Nähe Posttower).

Heiner Küpper von der Deutschen Post, Projektleiter des Architektenwettbewerbs, wies darauf hin, dass das Festspielhaus ohne Tiefgarage konzipiert werde. Standorte, die keine oberirdischen Parkflächen böten, "scheiden aus". Die Standortdebatte scheint gleichwohl weiter zu köcheln. An die Adresse der Freunde der Beethovenhalle sagte Monika Wulf-Mathies, Vorsitzende der "Fest.Spiel.Haus.Freunde": "Wir kämpfen nicht für den Abriss der Beethovenhalle, sondern für ein neues Festspielhaus". Das würde einer weiter existierenden Beethovenhalle keineswegs den Garaus machen. Michael Klein-Hartlage, Geschäftsführer der Bonn-Management-Center GmbH (die auch die Beethovenhalle vermarktet), habe ihr mitgeteilt, dass sich die Beethovenhalle auch ohne klassische Konzerte behaupten könne. Er warte nur darauf, mehr Termine buchen zu können. Wulf-Mathies: "Dem Mann kann geholfen werden."

General-Anzeiger Bonn, 25.05.2011, von Mathias Nofze

Zurück zur Übersicht