Drei Zitate - mindestens drei - werden von diesem Abend im Universitätsclub übrigbleiben. Das eine heißt "ich bin Profi" und beschreibt die selbstbewusste Geisteshaltung des luxemburgischen Architekten François Valentiny.
Als Profi rechnet er kühl vor, welche auch finanziellen Vorteile sein Festspielhausentwurf hätte. Und er hat als Ass im Ärmel den Vorschlag für einen alternativen Standort parat. In einer Animation zeigt Valentiny seine Konzert-Welle ideal mitten in die Rheinaue gesetzt. "Direkt im Blick des Sponsors", wie er schmunzelnd bemerkt.
Zitat Nummer zwei hängt eng mit dem ersten zusammen: Valentiny zitiert den großen Kollegen Philip Johnson - "Ich würde auch für den Teufel bauen". Will sagen: Valentiny, der sich selbst als "poetischer Pragmatiker oder Rationalist" sieht, ist auch nach dem vorläufigen Aus fürs Festspielhaus gesprächsbereit, flexibel, will in Bonn bauen.
Das dritte Zitat ist die Antwort auf die bange Frage aus dem Publikum, ob denn ein Festspielhaus in Bonn und die Kölner Philharmonie nicht zu viel wären, die Konkurrenz nicht fatal sei: "Zwei Metzger in einer Straße sind besser als einer", sagt darauf einer, der sich in der Rolle des luxemburgischen Bonvivant recht wohl zu fühlen scheint.
Valentinys fulminanter Vortrag im Uniclub eröffnete eine neue Reihe, in der der Verein der Festspielhausfreunde, so seine Vorsitzende Monika Wulf-Mathies, versuchen will, die Diskussion um das ehrgeizige Projekt zu versachlichen. Es gebe immer noch große Informationsdefizite, meinte Wulf-Mathies, "wir wollen das Thema auch aus dem engen Rahmen der Bonner Lokalpolitik herausrücken".
Mit der hat Valentiny, gerade aus China zurückgekehrt, seine eigenen Erfahrungen gemacht. "Das Verfahren war lehrreich für alle", meinte er etwas sarkastisch und outete sich als Demokratiefeind in Sachen Architektur. "Der demokratische Entscheidungsweg dauert in Europa immer länger, wir nehmen uns selbst aus dem Spiel."
Beim Festspielhaus gehe es um ein "Branding", eine unverwechselbare Marke für Bonn, "eine Geste, die über das Alltägliche hinausstrahlt", sagt Valentiny. Das alles sei nun in Gefahr.
Minutiös rekapitulierte der Architekt des Hauses für Mozart in Salzburg und des luxemburgischen Pavillons auf der Expo in Shanghai in dem vollbesetzten Saal des Uniclubs die Entwicklung seines Entwurfs von einem einfachen Lehmmodell bis zur spektakulären Welle. Interessant dabei: Ganz am Anfang standen Valentinys Welle und die Beethovenhalle Seit' an Seit'. Zwei Aspekte beendeten dieses Entwurfsstadium: Für beides sei kein Platz, sagt er, außerdem sei die Tandemlösung nicht finanzierbar.
Sein Festspielhausentwurf sei "der idealste Raum, den ich je geplant habe", sagte Valentiny, und wies auf die hohe Funktionalität hin, auf Wellen-Formen, "die akustisch notwendig sind". Die Organisation der Räume führe zu kurzen Wegen und geringeren Betriebskosten. Als großes Plus sieht Valentiny ferner die große Bandbreite an Veranstaltungen, die unter dem markanten Wellendach möglich sein wird. Vom großen Sinfoniekonzert bis zum Kammermusikabend, von der experimentellen elektronischen Musik bis zum Jazz - fast alles sei in dem Ensemble aus zwei Konzertsälen, nutzbaren Proberäumen und einer Außenspielstätte möglich.
Der Raum der Beethovenhalle habe bei ihm "positive Schwingungen" ausgelöst, die Anforderungen an eine zeitgemäße Akustik und verschiedene Nutzungsmöglichkeiten könne der "historische Altbau" aber nicht erfüllen.
Als ideales Haus, auch für Beethovens Musik, wertet Valentiny hingegen seine expressive "Welle". Wie er denn zu dessen Musik stehe, wurde er in der von Sigurd Trommer, Präsident der Bundesarchitektenkammer, moderierten Runde gefragt. Es sei eine Spannung wie kurz vorm Orgasmus, immer wieder, immer wieder.
Die Serie wird mit Gästen wie Christoph Lieben-Seutter, Matthias Naske, Helga Rabl-Stadler und anderen fortgeführt.
General-Anzeiger Bonn, 28. Oktober 2010 (von Thomas Kliemann)