Kulturdezernent Schumacher zum Sparen

Wenn Martin Schumacher an Bonn denkt, kommt ihm Goethe in den Sinn: In dieser Armut welche Fülle! Die Stadt habe ein "unglaubliches Potenzial", aber es herrsche eine Atmosphäre der Verzagtheit, sagte der Kultur- und Sportdezernent im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Schumacher, seit 1. Dezember 2010 im Amt, forderte eine Aufbruchstimmung ein und skizzierte die zukünftige Entwicklung von Kultur und Sport.

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Kultur: Martin Schumacher hat sich vorgenommen, auf eine Frage eine plausible und zukunftsfähige Antwort zu finden: "Wo geht die Reise hin in den nächsten zehn Jahren?" Mindestens zwei Jahre werde es dauern, bis der Kulturdezernent sein Kulturkonzept 2020 vorlegen kann. Er will die Vision für Musik und Theater, Tanz, Literatur und freie Szene zusammen mit den Protagonisten der Kultur entwickeln. Dazu sind zehn Runde Tische einberufen worden, an denen, das darf man voraussetzen, nicht nur ein harmonisches Miteinander gepflegt wird. Bonn ist sehr diskursintensiv, hat Schumacher festgestellt.

Es steht viel auf dem Spiel. Angesichts der Haushaltslage muss sich die Kultur in Bonn auf Kürzungen einstellen, 3,5 Millionen Euro stehen aktuell im Raum. In der freien Szene wird zukünftig nicht alles beim Alten bleiben. Schumacher stellt sich "mit großer Kümmernis" auf Reduzierungen städtischer Förderung ein. Das soll behutsam und intelligent vonstattengehen. Die Kultur soll sich in ein Profil einpassen, das Bonn wie folgt charakterisiert: als "sympathische und gleichwohl selbstbewusste, ökologische Kultur-, Wissenschafts- und Hightech-Stadt mit hoher urbaner Qualität". Schumacher hält an den drei Sparten Oper, Schauspiel und Tanz fest, Kooperationen mit Köln wären ihm willkommen. Die freie Szene liegt ihm am Herzen, aber auch kirchenmusikalische Initiativen und Chöre.

Die Beethovenhalle ist für den Kulturdezernenten nicht dafür qualifiziert, ein musikalisches Angebot auf höchstem Niveau anzubieten; dafür sei die in die Jahre gekommene Mehrzweckhalle weder klanglich noch ästhetisch gerüstet. Apropos Beethoven. Er ist das größte As im Ärmel der Stadt Bonn. Mit dem Beethovenfest zeigte Schumacher sich zufrieden, daneben beschwor er die nationale Aufgabe Beethoven. Die sei ohne Festspielhaus oder Beethoven-Philharmonie nicht zu bewältigen.

Die derzeit auf Eis gelegte Festspielhaus-Idee soll bis Herbst konkret und überzeugend wieder auf der Tagesordnung erscheinen, wünscht sich Schumacher. Konkret wird es in diesem Jahr auch in wichtigen Personalfragen. Im Sommer stehen Verhandlungen mit dem Generalintendanten Klaus Weise und dem Generalmusikdirektor Stefan Blunier über eine mögliche Verlängerung ihrer Verträge an. Man darf gespannt sein, wohin die Reise geht.

General-Anzeiger Bonn, 19./20. März 2011

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