Die Parteien im Bonner Rat drücken in der Frage nach einer Entscheidung zum Festspielhaus aufs Tempo. In fast gleichlautenden Anträgen erteilen die CDU- mit der Grünen-Fraktion auf der einen Seite und die SPD-Fraktion auf der anderen der Verwaltung am Mittwochabend im Kulturausschuss den Auftrag, bis "spätestens nach der Sommerpause" ein Konzept vorzulegen, um eine Entscheidung durch den Rat vorzubereiten.
In Zusammenarbeit mit den Unternehmen, die das Festspielhaus errichten wollen, dem Bund und dem Land soll die Verwaltung Fakten zusammentragen, die dem Rat eine Beschlussfassung ermöglichen sollen - noch in diesem Jahr. Dazu gehören, so die Anträge, eine klare Definition der Aufgaben und Lasten, Angaben über die Finanzausstattung der Betreiberstiftung, belastbare Zahlen über den Konzertbetrieb auf der einen Seite und die Betiebs- und voraussichtlichen Sanierungskosten für die Beethovenhalle auf der anderen.
Ein weiterer Punkt der Anträge betrifft die Zukunft der Beethovenhalle. Über deren Erhalt oder den Abriss zugunsten eines Festspielhaus-Baus sollen im Rahmen eines Ratsbürgerentscheids die Bonner entscheiden. Spätestens nach der Sommerpause wollen die Antragsteller auch wissen, welche alternativen Standorte zu welchen Konditionen zur Debatte stünden.
Bärbel Richter, kulturpolitische Sprecherin der SPD, erklärt das verschärfte Tempo, das doch zackiger anmutet als das von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch im GA-Interview am Montag vorgegebene, mit akuter Zeitnot: "Die Sommerpause liegt in diesem Jahr sehr spät, wir müssten noch vor Dezember zu einer Entscheidung über einen Ratsbürgerentscheid kommen, der dann im Frühjahr 2012 laufen würde."
Richter plagen Sorgen, das Geld der Sponsoren, des Bundes und des Landes, könnten "nicht ewig zur Verfügung stehen". Elmar Conrads-Hassel (FDP) warnte: "In diesem Jahr muss die Entscheidung fallen, sonst brauchen wir sie gar nicht mehr." Markus Schuck (CDU), der sauer über das Vorpreschen der SPD war - sie hatte durch einen Dringlichkeitsantrag die Initiative ergriffen -, warnte davor, wieder in eine "reduzierte Festspielhausdiskussion" zu fallen.
Das Festspielhaus sei Bestandteil einer Gesamtkonzeption für die Bonner Kultur, zu der Kulturdezernent Martin Schumacher am Mittwoch eine erste Planungsstruktur vorlegte. Jürgen Repschläger (Linke), wie Schuck Befürworter einer Tempoverschärfung, forderte, das städtebauliche Umfeld auch bei den Kosten mit zu berücksichtigen und die Fokussierung auf den Begriff "Festspielhaus" zu lassen: Eine "Philharmonie" wäre ihm lieber.
Das Stichwort für das zweite große Thema des Abends war die von Nimptsch ins Rollen gebrachte Diskussion über eine Köln-Bonner-Opernkooperation. "Wir haben vorgelegt, jetzt ist Köln am Zug", sagte Schumacher, "am 1. März wird dort der Rat entscheiden". Der Bonner Generalintendant Klaus Weise, wiederholte seine positive Einschätzung: "Für Bonn wäre es erfreulich, wenn wir statt sieben neun Premieren hätten, das wäre eine Chance." Dass die Kölner das ganz anders sehen, war wiederholt in dieser Zeitung zu lesen. "Das Thema ist durch, die Kooperation ein Rohrkrepierer", war aus den Reigen der Bonner Grünen zu hören.
General-Anzeiger Bonn, 17.02.2011, von Thomas Kliemann