Die Deutsche Post DHL ist der nach eigenen Angaben größte Logistikkonzern der Welt. Er hat seinen Sitz in Bonn. Mit dem Vorstandsvorsitzenden Frank Appel sprachen Claudia Mahnke, Andreas Mühl, Julian Stech und Andreas Tyrock.
General-Anzeiger: Der Bau eines Festspielhauses in Bonn ist nach langer Debatte auf Eis gelegt. Ist das das Ende des Projekts?
Frank Appel: Das ist zunächst das Ende des Projektes, was aber nicht heißt, dass es nicht mittelfristig wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden kann.
GA: Wie beurteilen Sie mit einigen Wochen Distanz die Entscheidung?
Appel: Persönlich finde ich das schade. Aber die Entscheidung, die die Vorstandschefs von Telekom, Post und Postbank gemeinsam mit dem Bonner Oberbürgermeister getroffen haben, ist richtig. Jetzt muss die Stadt zunächst ein ganzheitliches Kulturkonzept entwickeln.
GA: Zuletzt war auch eine Multifunktionshalle an Stelle der Oper im Gespräch, in der man alle kulturellen Aktivitäten der Stadt gebündelt hätte. Wäre das auch eine Variante, wenn das Projekt wieder auflebt?
Appel: Als Post sind wir bereit, ein Weltklasse-Festspielhaus zu finanzieren. Die Erfüllung kommunaler Kulturaufgaben können wir aus rechtlichen und finanziellen Gründen nicht übernehmen. Wir würden daher immer ein privatrechtliches Modell bevorzugen.
GA: 2020 haben wir mit dem 250. Geburtstag des Komponisten ein Beethoven-Jubiläumsjahr. Was wird Bonn dann haben?
Appel: Ich hoffe, Bonn hat 2020 ein Beethovenfestspielhaus. Es ist noch genügend Zeit bis dahin.
GA: Wer sorgt dafür, dass das Projekt rechtzeitig aus der Schublade geholt wird?
Appel: Jetzt ist erst einmal die Stadt an der Reihe, ein überzeugendes Kulturkonzept vorzulegen. Wenn das ein Festspielhaus beinhaltet, brauchen wir aber sicher auch eine Art Leitfigur, wie Karin Hempel-Soos es war, die es auch von Bürgerseite vorantreibt. Denn ohne breite Unterstützung aus der Bevölkerung geht es nicht. (…)
(General-Anzeiger Bonn, 11. Juni 2010)