"Der Entwurf hat es möglich gemacht." Das ist eine der Kernaussagen, die Hamburgs Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter am Montagabend bei seinem von gut 200 Neugierigen besuchten Vortrag in der Reihe "Im Fokus: Festspielhaus" der Bonner Festspielhaus-Freunde im Universitätsclub traf.
In Hamburg sei der Entwurf der Architekten Herzog & Meuron auf eine begeisterte Bürgerschaft getroffen, die 68 Millionen Euro für die Finanzierung des Projekts gespendet habe. "Das Projekt wurde von den Bürgern angezettelt", sagte Lieben-Seutter. Die Hansestadt sollte für das neue Wahrzeichen ursprünglich keinen Cent zahlen müssen. Heute sieht die Situation nach mehrfachen, teils explosionsartigen Kostensteigerungen anders aus: 503 Millionen Euro wird der Gebäudekomplex insgesamt kosten, davon muss die öffentliche Hand 323 Millionen Euro übernehmen. Diese konkreten Zahlen nannte Andreas Mühl, stellvertretender Chefredakteur des General-Anzeigers, als Moderator der Veranstaltung im Anschluss an den Vortrag.
Gleichwohl sieht Lieben-Seutter, der vor seiner Hamburger Bestellung vor vier Jahren Chef des Konzerthauses in seiner Heimatstadt Wien gewesen ist, in dem Projekt eine wichtige Chance für die Hansestadt. Für ihn ist die Elbphilharmonie - 2013 soll sie fertig sein - mehr als die bessere Alternative zur bestehenden Laiszhalle. Für ihn hat die spektakuläre Architektur, deren Kennzeichen der wie ein Eisblock auf dem alten Kaispeicher thronende Konzertsaal ist, auch einen Wert über die eigentliche Funktion hinaus. "Dieser Entwurf lässt keinen kalt", schwärmte Lieben-Seutter, der die Ausstrahlung der Architektur mit der des Opernhauses in Sydney und der des Pariser Eiffelturmes verglich.
Oder auch mit dem von Frank O. Gehry entworfenen Guggenheim-Museum in Bilbao: "Das wurden neue Hotels gebaut, und die Stadt wird heute direkt angeflogen." Das verdanke man nicht nur der ausgestellten Kunst, sondern vor allem dem Gebäude. Eine ähnliche Wirkung traut er auch der Elbphilharmonie zu. Schon heute würde Deutschland weltweit mit dem Bild dieses Konzerthauses werben, sagte der Intendant. Dass die Kosten so aus dem Ruder gelaufen seien, habe unter anderem damit zu tun, dass man zu blauäugig an die Sache herangegangen sei und die Stadtverwaltung mit dem komplexen Bauvorhaben überfordert gewesen sei.
Dass Kostenexplosionen beim Beethoven Festspielhaus ausgeschlossen waren, erläuterte im Diskussionsteil Heinrich Küpper, der als Projektbeauftragter der Post für die Planung zuständig und von der Vorsitzenden der Festspielhaus-Freunde, Monika Wulf-Mathis, ans Mikrofon gebeten worden war: "Wir haben alle Details bis ins Kleinste vorbereitet", sagte er. Man habe aus den Fehlern in Hamburg gelernt. So habe man baubegleitende Planungen ausgeschlossen: "So etwas lieben die Bauleute, weil sie ständig Kosten angleichen können. Meistens nach oben." Der Unterschied ist nur: In Hamburg wird gebaut, in Bonn nicht.
General-Anzeiger Bonn, 1. Februar 2011 (von Bernhard Hartmann)
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