"Wille oder Unwille, das ist hier die Frage"

Eines vorweg: Peter Gartiser, Partner und Geschäftsführer der Münchner Metrum-Managementberatung, ist mit Ilona Schmiel verheiratet. Schmiel leitet das Beethoven-Fest und träumt von einem Beethoven Festspielhaus für Bonn. Gartiser sprach jetzt im Universitätsclub auf Einladung der Bonner Fest.Spiel.Haus.Freunde zum Thema "Kann Bonn sich ein Festspielhaus leisten?". War da die Antwort nicht eigentlich Formsache? "Wir lassen uns davon nicht beeinflussen", sagte Gartiser zu den persönlichen Umständen. Er lieferte auch kein dezidiertes Ja oder Nein, sondern präsentierte ein nüchternes Zahlenwerk. Es ist das Resultat einer Analyse aus dem Jahr 2007 für die Deutsche Post. Zusammen mit dem Beratungsunternehmen McKinsey entwickelte Metrum ein Betreiber-Konzept für das Beethoven Festspielhaus.

Gartiser und Kollegen untersuchten die Erfolgschancen eines solchen Projekts, seine inhaltliche Struktur und die Kosten. Man hatte 2007 eine Hallengröße von 1 400 Plätzen, 100 bis 120 Konzerte jährlich, 160 000 Besucher und eine Platzauslastung von 79 Prozent zugrunde gelegt, sagte Gartiser. Aus diesem Szenario hätte sich ein Zuschussbedarf seitens der Stadt Bonn von zwei Millionen Euro pro Jahr ergeben. Bei 264 000 Einwohnern über 18 Jahre hätte statistisch betrachtet jeder Bonner 7,55 Euro pro Jahr fürs Festspielhaus bezahlen müssen. Unterm Strich wenig für die Marke Beethoven, die mehr als 50 Prozent zum Image der Stadt beitrage.

"Eine Koalition aus Gemütsmenschen, Denkmalschützern und Heimatverbundenen hat sich formiert am Rhein", schrieb vor kurzem das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Sie haben sich bekanntlich formiert, um ein Festspielhaus am Standort der maroden Beethovenhalle zu verhindern. Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch sei von der Angst gelähmt, Beethovenhallen-Fan Hans Hinterkäuser werde sich dereinst am geliebten Ort anketten. "Und dann haben wir hier Stuttgart 21", wurde Nimptsch zitiert.

Für Peter Gartiser muss die Stadt eine Antwort auf die Frage geben, ob sie es sich leisten kann, auf das überaus großzügige Angebot der Sponsoren einzugehen. Ob sie, ein Ja vorausgesetzt, eine Werbeoffensive starten und eine Bürgerbewegung pro Festspielhaus fördern würde, wie das in Hamburg mit der Elbphilharmonie gelungen sei.

Schließlich gelte es, Klarheit darüber zu gewinnen, ob die Marke Beethoven der Stadt zwei Millionen Euro im Jahr wert sei. Wille oder Unwille, das ist hier die Frage. Ohne wirtschaftliches Kalkül sei ein Festspielhaus nicht zu haben sagte Gartiser. Aber auch nicht ohne großes Gefühl, Begeisterung. 2020, Beethovens 250. Geburtstag, ist nicht mehr fern.

General-Anzeiger Bonn, 13.04.2011 (von Dietmar Kanthak)

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