Kaputter Aufzug, defekte Klimaanlage: Beethovenhalle ist "unzumutbar"

Mit einem Paukenschlag haben die Beethovenfest-Macher erneut auf die Mängel der Beethovenhalle aufmerksam gemacht. So positiv die Konzertbilanz des diesjährigen Festivals ausfalle, so "alarmierend" sei der Zustand des 1959 eröffneten Baudenkmals: "Ein reibungsloser Konzertablauf ist in der Mehrzweckhalle nicht möglich", heißt es in einer Erklärung der Internationale Beethovenfeste Bonn gGmbH. Bühnenaufzug, Licht- und Klimaanlage hätten gravierende Mängel.

Die Klimaanlage: Im Saal seien während einer Veranstaltung bis zu 27,2 Grad, auf der Bühne sogar 30 Grad gemessen worden. Etliche Gäste und Sponsoren hätten sich beschwert. "Die hohen Temperaturen führten zu mehreren Kreislaufzusammenbrüchen im Publikum", heißt es in der Mitteilung.

"Das Eröffnungskonzert mit Hélène Grimaud und der Kammerphilharmonie Bremen musste wegen eines Notarzteinsatzes unterbrochen werden: Ein Gast hatte aufgrund der extremen Temperatur einen Kreislaufkollaps erlitten." Auch Zugluft habe Probleme gemacht: Schlagzeuger Martin Grubinger habe nach seinem Konzert Nacken- und Schulterbeschwerden bekommen.

Der Bühnenaufzug: Dass dieser nicht zuverlässig läuft, führte nach Angaben der Beethovenfest-Macher bei zwei Dritteln der 20 Konzerte in der Halle zu "unzumutbaren Zuständen für die Künstler und die Bühnenarbeiter". Beispielsweise sei es unmöglich gewesen, Grimauds Flügel von der Bühne zu fahren; der Spediteur habe zweieinhalb Stunden gewartet, bis ein Notdienst den Aufzug in Gang gebracht habe.

Kent Nagano habe seine Probe mit dem Bayerischen Staatsorchester nur durch "den hohen Einsatz des Hallenpersonals und der Beethovenfestmitarbeiter" rechtzeitig beginnen können. Bis zehn Minuten vor Beginn steckte der Lastenaufzug demnach im Erdgeschoss fest. Folge: In der Bühne klaffte ein großes Loch.

Die Lichtanlage: Sie kann während der Veranstaltungen nicht bewegt werden, so dass nur eine einzige Farbstimmung im Saal möglich ist. Zudem funktionieren die Farbwechsler der fahrbaren Scheinwerfer nicht mehr.

Viele Proben und Konzerte seien nur durch extrem erhöhten Personalaufwand gerettet worden, betonte Intendantin Ilona Schmiel: "Wir haben das Beste aus den unzumutbaren Bedingungen gemacht. Ich danke den Musikern für ihre Geduld und ihren Willen, auch unter diesen Umständen beim Beethovenfest künstlerische Höchstleistungen zu bringen."

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Sie appellierte an die Stadt, "endlich zu handeln". Und weiter: "Die zurückliegenden fünf Wochen haben gezeigt, dass erheblicher Aufwand nötig ist, um einen Spielbetrieb in der Beethovenhalle sicherzustellen." Schmiel rief Politiker und Bürger auf, sich für ein neues Festspielhaus stark zu machen. Die Pläne dafür liegen auf Eis, und die Telekom hat angekündigt, sich nicht mehr an der gemeinsam mit Post und Postbank geplanten 100-Millionen-Euro-Investition beteiligen zu wollen.

"Es ist zutreffend, dass wegen des schadhaften Bühnenaufzuges mehrere Konzerte auf der Kippe standen und wir alle uns große Sorgen gemacht haben", erklärte OB Jürgen Nimptsch. "Diese Unsicherheiten, die uns wegen des mit einer Konzertabsage verbundenen Imageschadens schlaflose Nächte beschert haben, müssen ausgeräumt werden."

Die Stadt habe vor dem Beethovenfest 100 000 Euro für das Nötigste ausgegeben. Aufzug und Klimaanlage könnten aber wegen der hohen Kosten nicht ausgetauscht werden, bevor über die Zukunft der Halle entschieden sei.

Das Städtische Gebäudemanagement werde die Sanierungskosten der Beethovenhalle und der Oper ermitteln. Das Ergebnis soll in ein Konzept einfließen, an dem der neue Kulturdezernent Martin Schumacher ab November arbeiten soll.

General-Anzeiger Bonn, 13. Oktober 2010

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