"Bonn packt´s an! – Packt´s Bonn an?"

Am Mittwoch, den 16. Februar 2011 ist der Teil der Befragung „Bonn packt´s an" zu Ende gegangen, bei dem alle Bürger Bonns und darüber hinaus auch alle aktiven Internetnutzer in der weiten Welt die Möglichkeit hatten, über den Haushalt der Stadt Bonn „abzustimmen". Über 1.600 Vorschläge waren zu bewerten und über 12.700 Nutzer von verschiedenen Internetadressen, hinter denen eine nicht ermittelbare Anzahl von Menschen steht, haben sich die Mühe gemacht, ihre Meinung kundzutun.

Die Fest.Spiel.Haus.Freunde ziehen eine gemischte Bilanz und erwarten mit Interesse die angekündigte Auswertung der Stadt Bonn. Wir begrüßen, dass in der Befragung eine große Unterstützung für die Entwicklung der Kulturlandschaft der Stadt deutlich geworden ist und dass unter den Sparvorschläge mit der höchsten Ablehnung gleich mehrere Kultur-Themen sind. So lehnen die Teilnehmer der Befragung gleichermaßen deutlich die Reduktion der Zuschüsse für die freie Kulturszene wie für das Theater Bonn und die Bibliotheken ab. Auch wenn diese Meinung nicht repräsentativ ist, so geben sie doch ein Stimmungsbild der interessierten und aktiven Bürger wieder, das die Stadtspitze nicht ignorieren kann.

Problematisch bleibt die Befragung jedoch, weil die Informationen, die in dem Portal zur Verfügung gestellt wurden, völlig mangelhaft waren. Weder ist bei den einzelnen Sparvorschlägen deutlich gemacht worden, welche Auswirkungen mit einer potentiellen Leistungskürzung einhergehen, noch sind die hinter den Fragestellungen stehenden, häufig komplexen Zusammenhänge offen gelegt worden. Glaubwürdiger wären die Ergebnisse deshalb gewesen, wenn jeweils politische Schwerpunkte gesetzt und mit den notwendigen Hintergrundinformationen zur Diskussion gestellt worden wären. Zwar haben viele Kommentatoren auch auf langfristige Auswirkungen hingewiesen und über eine anzustrebende künftige Entwicklung der Stadt diskutiert. Gleichzeitig ist die Befragung aber auch das Podium gewesen, um Meinungen loszuwerden, die weder von großer Sachkenntnis geprägt waren, noch ein Gefühl der Verantwortlichkeit für die Entwicklung der Stadt erkennen ließ. Dies wird beispielhaft deutlich, wenn eine große Mehrheit die Abschaffung der freiwilligen Leistung „Pressearbeit der Stadt Bonn" befürwortet (unter den Vorschlägen mit der meisten Zustimmung immerhin an Platz 25)– ein Vorschlag, der in Zeiten einer von Medien bestimmten Welt wie kommunikativer Selbstmord anmutet.

Es bleibt daher bei der Forderung der Fest.Spiel.Haus.Freunde: Stadtverwaltung und Rat müssen in ihrer Verantwortung für die Zukunft der Stadt Bonn Perspektiven für die verschiedenen Politikfelder entwickeln und Entscheidungen treffen, die den positiven Strukturwandel der letzten 20 Jahre fortsetzen. Dazu müssen die Stärken Bonns als Internationale Stadt und als Beethovenstadt weiter gefestigt werden, damit auch in Zukunft eine attraktive, sozial ausgewogene Stadtentwicklung möglich ist.

Zurück zur Übersicht