Wie verhält es sich mit dem Großprojekt Festspielhaus?
NIMPTSCH: Das steht ja unter ganz anderen Vorzeichen. Diejenigen, die sich mit der Idee tragen, das Konzerthaus zu bauen (also die Telekom, Post und Postbank) sind ja hoch seriöse Partner. Die einzige Fragen sind: Kommt es zustande? Und wann?
Der Zeitplan aber hat sich auch hier nach hinten verschoben?
NIMPTSCH: Ja, aber die 39 Millionen Euro des Bundes für die Gründung der Stiftung zum Betrieb der Konzerthalle und die 75 Millionen Euro, die für den Bau zugesagt sind, die stehen. Die Frage aber lautet zu Recht, ob der Bau eventuell teurer werden könnte. Sollte das so sein, wird das nicht die Stadt übernehmen können. Für uns stellt sich lediglich die Frage der Folgekosten. Ich bin bekannt als Befürworter des Projekts. Wir wären schlecht beraten, das Angebot nicht anzunehmen. Beethoven bedeutet für Bonn nämlich auch: Arbeitsplätze und Wohlstand. Die Marke Beethoven trägt weltweit.
Wie verhält es sich denn mit dem Standort? Da formiert sich ja ein ähnlicher Widerstand gegen den Abriss der Beethovenhalle, wie in in Köln beim Schauspielhaus.
NIMPTSCH: Genau. Deswegen prüfen die Projektpartner jetzt Alternativen, die am Rhein liegen: Am Alten Zoll, im Park zwischen Villa Hammerschmidt, Kanzlerbungalow und Palais Schaumburg. Und in der Rheinaue. Das wird jetzt durchgerechnet. Dann können sich die Bürger das anschauen. Wenn sie die Beethovenhalle unbedingt erhalten wollen, können sie die Alternativen prüfen. Es wird aber so sein, dass andere Standorte in jedem Fall zu weiterem Kosten führen würde, denn die notwendigen Sanierungskosten für die dann daneben noch bestehende Beethovenhalle im Umfang von etwa 20 Millionen Euro müsste man auch noch dazurechnen. Wir haben in Bad Godesberg und Beuel je zwei Spielstätten, dazu eine Oper mit einem kleinen Theater, die Beethovenhalle und eine ziemlich gute freie, aber ebenso mit öffentlichen Mittel subventionierte Szene mit vielen Spielstätten. Man wird vermutlich nicht alles haben können - und noch ein Festspielhaus dazu.
Ist das der richtige Ansatz?
NIMPTSCH: Ja, aber ein schwieriger. Die Politiker und andere Beteiligte beäugen das mit Skepsis. Leidenschaftliche Befürworter des Festspielhauses werfen mir vor, ich würde das Projekt dadurch beschädigen. Aber wenn man die Bürger nicht mitnimmt, organisieren sie sich selbst. Man konnte in Bad Honnef sehen, was mit dem Nationalpark Siebengebirge passiert ist. Und man kann es sich jetzt auch beim Schauspielhaus in Köln sehen.
Inwieweit sind schon aus Geldmangel Kooperationen mit anderen Kommunen sinnvoll? Kölns ehemaliger Opernintendant Michael Hampe hat gesagt, es genüge vielleicht auch, wenn Köln und Bonn sich eine Oper teilen. Bonn könnte dafür - in seinem Festspielhaus - die philharmonischen Konzerte übernehmen.
NIMPTSCH: Die Aussage ist richtig, dass die Kulturregion über eine verstärkte Zusammenarbeit nachdenken muss. Historisch gesehen ist das in Bonn nicht einfach, denn unsere Bühnen sind vor ziemlich genau 150 Jahren als Nebenspielstätte des Kölner Schauspiels an den Start gegangen. Erst zu Hauptstadtzeiten hat sich die Bonner Kulturszene das jetzige Profil erarbeitet. Und die Bürgerschaft will natürlich nicht von ihren Spielstätten lassen. Jürgen Roters und ich werden daher vorschlagen, namhafte Experten von außen mit einem Kulturentwicklungsplan für die Region zu beauftragen. Wir haben auch unsere Intendanten gebeten, für den Oktober 2011 eine gemeinsame Produktion auf die Beine zu stellen. Auf Weltniveau. Die soll am NRW-Tag und am Tag der Deutschen Einheit aufgeführt werden. Dann könnten die Bürger beider Städte sehen, dass Gutes dabei herauskommt, wenn Köln und Bonn zusammenarbeiten. Vielleicht klappt es so ja, sie zu überzeugen. (Kölner Stadtanzeiger, 20.02.2010)