Kommentar: Absprachen mangelhaft

Was gibt's Neues in Sachen Festspielhaus? Gibt's überhaupt was Neues? Unabhängig davon, welche Sachposition man in diesem Streitfall vertritt, die Chronologie der Ereignisse mutet nahezu grotesk an. Während öffentlich darüber diskutiert wird, ob die Beethovenhalle nun abgerissen werden soll oder nicht, ob sie aus architektonischen Gründen wertvoll ist oder eher ein emotional behafteter Markstein der Bonner Nachkriegsgeschichte, streiten sich Stadt und Investoren um ungeklärte Kosten. Mehr als drei Millionen Euro haben die "Daxe" mittlerweile in die Planung eines neuen Festspielhauses investiert. Mit dem Bau könnte in wenigen Monaten begonnen werden, doch das Projekt steht mehr denn je auf der Kippe. Noch nicht einmal elementare Fragen (Wer müsste den Abriss der Beethovenhalle zahlen?) scheinen abschließend geklärt zu sein. Besonders die für die Stadt Bonn entscheidende Position "Betriebskosten" - also der jährliche Zuschussbedarf, wenn ein Festspielhaus eines Tages eröffnen sollte - ist nach Lage der Dinge diffus.

Der mitfiebernde Leser fragt sich: Wie kann es angesichts eines derart anspruchsvollen Projekts passieren, dass die Partner so schlecht miteinander kommunizieren? Ist die Stadtverwaltung nach den Erfahrungen um das WCCB zu zögerlich und kaum noch handlungsfähig? Oder sind es die Investoren, die entscheidende Punkte ausklammern und uneins sind? Oder ist es die (nicht neue) finanzielle Notlage der Stadt, die dem 2007 gestarteten Vorhaben nun den Garaus machen könnte? Und - falls letzteres der Fall ist - warum redet man erst jetzt darüber? In diesem Tohuwabohu auch noch die Bürger zu befragen, mag politisch zeitgemäß, angemessen oder aus OB-Sicht einfach nur schlau sein, in der Sache führt es kaum weiter. Denn die politische Schlacht um Kosten, Folgekosten und Sinnhaftigkeit muss im Stadtrat ausgetragen werden. Dabei ist es mehr als bedauerlich, wenn es die Protagonisten dieses ambitionierten Vorhabens bislang nicht verstehen, entscheidende Sachthemen schnell zu kommunizieren und zu klären. Hier nimmt das Projekt von Woche zu Woche Schaden. Mehr noch: Statt Bonns Ruf als Beethovenstadt kräftig zu polieren, droht nach der WCCB-Schmach ein weiterer Imageschaden. (General-Anzeiger, 20.03.2010)

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