"OB darf nicht zulassen, dass das Thema zerredet wird"

GA: Herr Nimptsch sieht sich selber eher als Moderator von Prozessen. Ist das falsch?
Simon: Ein OB muss Leitwolf der Stadt sein und nicht ihr Moderator. Nichtführung schafft ein Vakuum, das dann von allen möglichen Leuten und Interessensgruppen gefüllt wird - ein vielstimmiger Chor.

GA: Das hört sich alles etwas autoritär an. Sollte nicht ein OB seine Bürger "mitnehmen"?
Simon: Ja, aber ich sehe in beiden Forderungen keinen Widerspruch. Der OB und die Stadt müssen natürlich die Bürger informieren. Darauf haben diese einen Anspruch. Die Bürger erwarten aber auch Durchsetzungsvermögen und klare Perspektiven. Ich bin sicher: Überzeugende Argumente des OB werden auf positive Resonanz stoßen.

GA: Sie vermissen Führung vor allem beim Festspielhaus. Was sollte der OB tun?
Simon: Herr Nimptsch sollte öffentlich auf den Tisch hauen. Wenn er, wie er ja gelegentlich andeutet, der Meinung ist, dass die Beethovenhalle einem neuen Festspielhaus weichen muss, dann sollte er das klipp und klar sagen.
Die Gegenposition werden andere übernehmen. Aber er darf nicht zulassen, dass das Thema zerredet wird. Wenn alternative Standorte für das Festspielhaus wie an der B 9 nicht tauglich sind, muss er sich auf den Marktplatz stellen und das deutlich sagen.

GA: Sehen Sie überhaupt Möglichkeiten für Herrn Nimptsch, sein Profil zu stärken?
Simon: Ja, aber er müsste das Ruder schnell herumreißen. Beim Festspielhaus drängt die Zeit. Es wäre dramatisch, wenn Bonn sich diese Chance entgehen lassen würde. Keiner weiß auch, wie lange das Angebot der Investoren noch steht. Bonn braucht ein sichtbares Symbol für die Marke Beethoven. Ich hoffe, dass mit dem Festspielhaus ein zeitloses Gebäude entsteht, das auch noch in 50 Jahren fasziniert.
(Bonner General-Anzeiger, 13.03.2010)

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